Hunger

Der Weltkatastrophenbericht des Internationalen Bundes des Roten Kreuzes und Roten Halbmonds von 2011, der sich auf Hunger und Unterernährung konzentriert, stellt eine fundamentale Frage: Warum gehen so viele Menschen jede Nacht hungrig ins Bett, obwohl die Weltnahrungsmittelproduktion für die Ernährung aller Menschen ausreicht? Unter anderem sind nach diesem Bericht Gründe für den Hunger die wachsende Ungerechtigkeit und Ungleichverteilung, ein Mangel an Investitionen in die Landwirtschaft, die Tatsache, dass Land und Nahrung Objekte für den Handel und Spekulationen geworden sind, der Klimawandel, unbeständige Nahrungsmittelpreise, Finanzspekulationen und der zunehmende Einfluss von Großunternehmen auf das Nahrungsmittelsystem. Der Bericht unterstreicht die Rolle der Armut, die an sich vorhandene Nahrung für viele unbezahlbar macht und die den wichtigsten Grund für Unterernährung darstellt. Er stellt gleichzeitig die Wichtigkeit der Kleinbauern in der Bekämpfung des Hungers heraus.

Die Sorge um Nahrung muss aber auch in die Zukunft schauen. Die Weltbevölkerung wird im Jahr 2060 wahrscheinlich auf 10 Billionen Menschen angewachsen sein. Die Vereinten Nationen warnen, dass eine Steigerung der Nahrungsmittelproduktion um ca. 70% erreicht werden muss, wenn alle Menschen ernährt werden sollen. Gleichzeitig sind alle Dinge, die in der Landwirtschaft benötigt werden gefährdet: Wasser, Land, Boden, Nährstoffe, Öl, Technologie, Fähigkeiten, Fisch, Finanzen und das Klima. Es gibt keine einfachen Lösungen, wenn man bedenkt, dass eine geschätzte Billion Menschen an Hunger und Unterernährung leiden und eine weitere Billionen an unterschiedlichsten Formen der Fehlernährung leiden, die nicht als Hunger gelten. Eine weitergehende Reflexion kann uns helfen, einige Gründe der Nahrungsmittelunsicherheit besser zu verstehen.

Auf internationaler Ebene:

Fünfundsiebzig Entwicklungsländer sind Nettoimporteure von Nahrungsmitteln, daher sind Preise wichtig für die Nahrungsmittelsicherheit, da bis zu zwei Billionen Menschen zwischen 50 und 70% ihres Einkommens für Nahrung ausgeben müssen. Da arme Länder durch kontroverse Regelungen der Welthandelsorganisation (WTO) gezwungen sind, ihre Märkte zu öffnen, können reiche Länder, die intern protektionistische Regelungen verfolgen, ihre stark subventionierten Produkte dorthin exportieren.

Zusätzlich wird ein sich verstärkender Klimawandel die Nahrungsmittelproduktion weiter unter Druck setzen. Dies kann dazu führen, dass bis 2020 weitere 63 Millionen Menschen dem Risiko des Hungers ausgesetzt sind. Die ansteigenden globalen Temperaturen, durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, haben ihre Auswirkungen stets stärker auf arme Bevölkerungen.

Viele Industrieländer haben mit Massnahmen begonnen, in denen Nahrung in Treibstoffe umgewandelt werden, um ihren CO2-Ausstoß zu verringern. Dies bedeutet, dass der Energiebedarf auf Kosten der Landnutzung für die Nahrungsmittelproduktion gestillt wird.

Zwischen 1979 und 2009 ist die Entwicklungshilfe im Landwirtschaftsbereich von 18% auf 4% gesunken.

Auf nationaler Ebene:

Wenn man seine Nahrung nicht produzieren, kaufen oder erbetteln kann, muss man hungern. In Konfliktsituationen verstärken sich diese Faktoren. Immer stärker wird Land von Konzernen oder fremden Regierungen aufgekauft, um Profit zu machen, oder die Nahrung für die eigene Bevölkerung zu sichern. Dieses Phänomen wird als „Landaneignung“ (engl. land grabbing) bezeichnet. Der konstante Verlust an fruchtbarem Land trifft Frauen am meisten. Die sind die Hauptnahrungsmittelproduzenten in den Entwicklungsländern, wobei sie nur 10 bis 20% des gesamten Landes besitzen. Nicht nachhaltige Praktiken wie bewässerte Landwirtschaft, der Verlust von Oberflächenboden und die Nutzung von Chemikalien und Düngemitteln führen in Kombination zur Erniedrigung der Produktivität und steigender Nahrungsmittelunsicherheit. Nahrungsmittelspeicher für Notzeiten sind durch eine neo-liberale Politik abgeschafft worden, was bereits zu erheblichen Preissteigerungen in Krisensituationen geführt hat.

2011 World Disasters Report of the International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies, pag 48.

Kanayo F. Nwanze (IFAD President)   The Links Between Food Security And Climate Change (November 2009)

geschrieben von Br. Gearóid Francisco Ó Conaire ofm

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